MEDIAFIX-Zeitreise

Die Story zum Mauerfall

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MEDIAFIX-Kunden erzählen: Geschichten zum Mauerfall

Pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum möchten wir hier zusammen mit unseren Kunden und dem Historiker Christian Simon ein Stück deutsche Geschichte festhalten. Jedes Jahr gehen Hunderte von Bildern zum Berliner Mauerfall durch die Presse und auch MEDIAFIX-Kunden haben noch ein paar ganz besondere, unveröffentlichte Aufnahmen von dieser bewegenden Zeit.

In unserer neuen Rubrik „MEDIAFIX Zeitreise“ möchten wir zeigen, wie großartig es ist, diese alten Bilder mit all ihren Emotionen zu neuem Leben zu erwecken. Mit freundlicher Untersützung des Historikers Christian Simon, der die Bilder sowohl zeitlich als auch örtlich einordnete, erzählen diese Bilder von einem Berlin in den 60er Jahren ebenso wie vom endgültigen Ende der Mauer und der Öffnung der Grenze im November 89.

Lesen Sie hier, wie unsere Kunden diese spannende Zeit erlebt haben und was sie selbst zu Ihren Bildern sagen.

„Ein Jahrhundert-Erlebnis“

Am 09. November jährt sich der Berliner Mauerfall zum 30. Mal – ein Ereignis, das die deutsche Geschichtsschreibung für immer verändert hat.

„Es war ein Jahrhundert-Erlebnis, auch wenn man nicht unmittelbar dabei war“,

so drückt es Karl Wenchel rund 30 Jahre später in seinem Brief aus, den er uns zusammen mit seinem Erlebnisbericht von 1961 zugesandt hat. Darin enthalten: Bilder, die der heute 91-Jährige damals bei einem DDR-Besuch im West-Berliner Sperrgebet mit seiner Minox-Spionagekamera aus dem Inneren eines Omnibusses heraus geschossen hat. Erlaubt war es nicht. Doch heute sind es die einzigen Aufnahmen, die er von dieser Reise noch hat.

Wir von MEDIAFIX haben Herr Wenchels „verbotene Aufnahmen“ digitalisiert und freuen uns, dass er rund 60 Jahre später noch Freude an seinen Bildern hat.

Die Bilder zur Serie sehen Sie hier. Klicken Sie einmal in das Bild, um den Kommentar auszublenden und ein weiteres Mal, um ihn wieder einzublenden.

Grenzöffnung am 09.11.1989

Ein Mauerspecht auf West-Berliner Seite am Potsdamer Platz
Ein Mauerspecht auf West-Berliner Seite am Potsdamer Platz. Bild: Sebastian Wallrafen

Auch Sebastian Wallrafen hat seine Berlin-Bilder aus 1989 bei uns digitalisieren lassen. Von 1986 bis Anfang 92, zur Zeit seines Studiums, hat er in Berlin gelebt, wie er uns am Telefon erzählt.

Als er am Abend des 09. Novembers von der Grenzöffnung erfährt, befindet sich Herr Wallrafen in Gesellschaft mehrerer Studienfreunde. Kurze Zeit später machen sich die Freunde auf zum Grenzübergang an der Bornholmer Straße. Die meisten Bilder sind jedoch erst ein oder zwei Tage später entstanden. „Es gab ja noch keine Handys“, so Wallrafen, „und wer hatte denn schon ständig einen Fotoapparat in der Tasche? Ich bin dann zwei Tage später noch einmal gezielt mit Kamera und Filmen ausgestattet durch den Wedding gelaufen und auch zum Ku’damm und abends mit Freunden zum Brandenburger Tor“.

Zwei Grenzsoldaten stehen Wache auf der Mauer.
Zwei Grenzsoldaten stehen Wache auf der Mauer. Bild: Sebastian Wallrafen

Seine Bilder zeigen die Mauer, besetzt von Grenzposten der Volkspolizei, umringt von Menschenmassen aus Ost und West.

„Ich denke, die waren genau so unsicher wie wir“

erzählt er uns. „An dem Samstag, an dem ich die Bilder von der Mauer mit den Wachposten gemacht habe, waren die Wachposten noch sehr distanziert und wortkarg. Das hat sich erst im Laufe der Zeit etwas gelöst. Ich denke, die waren genau so unsicher wie wir, weil ja zu dem Zeitpunkt auch keiner wusste – in welche Richtung geht das jetzt hier?“

Er berichtet aber auch von der ausgelassenen Stimmung am ersten Abend, von dem Sturm auf das Brandenburger Tor in der ersten Nacht und von Menschen aus Ost und West, die ausgelassen gefeiert und auf der Mauer getanzt und gesungen haben.

„Das war aber nur am Anfang möglich, danach hat die Volkspolizei die Mauer geräumt und sich dann als Wachen oben drauf gestellt, um dann doch noch ein bisschen Staatsmacht zu zeigen.“ Wie viel davon noch übrig geblieben ist, zeigen die Bilder der fleißigen Mauerspechte, die unter den Augen der Volkspolizei bereits mit dem Abriss begonnen haben.

„Die ganzen Mauerspechte waren ja überall“

erinnert sich Herr Wallrafen und räumt ein: „Ich und meine Freunde haben natürlich auch an der Mauer rumgeklopft, auch, um uns ein Andenken zu holen.“

Insgesamt, so sagt er, war es eine große Freudenstimmung auf beiden Seiten. „Die Ost-Berliner wurden begrüßt mit Applaus, West-Berliner standen da mit einem Sekt auf und, ja, es war einfach schön, dass die rüberkommen konnten und dass diese kranke Mauer endlich durchlässig war. Man rannte aneinander vorbei und freute sich und teilweise lag man sich in den Armen“.

Alle Bilder sehen Sie hier:

Das Ost-Berlin der 1970er Jahre

Lenins Denkmal in Friedrichshain
Lenin-Denkmal in Friedrichshain. Bild: Heidi Bähre

Frau Bähre, eine weitere MEDIAFIX-Kundin, ließ die Aufnahmen Ihres verstorbenen Vaters digitalisieren. Während des Besuchs der Eltern in Ost-Berlin sind unter anderem diese Aufnahmen entstanden, die das 19 Meter hohe Lenin-Denkmal in Friedrichshain zeigen.

Die Bilder zeigen ein Berlin, das es so heute nicht mehr gibt. Einige der Gebäude wurden nach dem Mauerfall aus politischen Gründen abgerissen. Darunter etwa der Palast der Republik, das DDR-Außenministerim und das imposante Lenin-Denkmal, dessen Kopf jetzt in der Zitadelle in Spandau ausgestellt ist.

 

Alle Bilder zur Serie sowie die Kommentierung von Historiker Christian Simon sehen Sie hier:

Ein düsteres Kapitel – Die Bernauer Straße

Bernauer Straße. Bild: Heike Hilmer-Börner

Ein Bild wie kein zweites – links im Bild ein Gedenkkreuz mit noch frischen Blumen für Bernd Lünser, der bei einem Fluchtversuch ums Leben kam, rechts wurde in Großbuchstaben das Wort „MÖRDER“ an die Hauswand geschrieben.

Auch diese eindrucksvollen Bilder stammen aus den Magazinen von MEDIAFIX-Kunden und wurden von uns digitalisiert. Es sind düstere Bilder voller Tristesse.

Das Haus befindet sich an der Bernauer Straße, die Schauplatz einer Reihe von Fluchtversuchen war. Sie verläuft zwischen den Bezirken Gesundbrunnen im Norden und Berlin Mitte im Süden und bildete somit einen Teil der Grenze zwischen dem heutigen Mauerpark und dem Berliner Nordbahnhof.

 

Zugemauerte Fenster an der Bernauer Straße
Zugemauerte Fenster an der Bernauer Straße. Bild: Heike Hilmer-Börner

 

Zugemauerte Fenster und Türen

Um Fluchtversuche zu verhindern, wurden die an der Bernauer Straße gelegenen Eingänge und Fenster der Häuser zugemauert und die Dächer mit Sperren versehen.

Es sind zumindest zehn Personen namentlich bekannt, die bei einem Fluchtversuch im Gebiet der Bernauer Straße ums Leben kamen. An sie erinnert heute ein um 1995 aufgestellter Gedenkstein an der Einmündung zur Swinemünder Straße. Einer von ihnen ist Bernd Lünser.

Die Geschichte des Bernd Lünser

Gedenkkreuz des Bernd Lünser
Gedenkkreuz des Bernd Lünser. Bild: Heike Hilmer-Börner

Als Freiheitskämpfer verehrt starb Bernd Lünser mit nur 22 Jahren einen viel zu frühen Tod, als er beim Sprung vom Haus des Daches in der Bernauer Straße 44 tödlich verunglückt. Alles, was er wollte, war pünktlich zum Start des Wintersemesters im Westen zu sein, um sein Bauingenieurstudium fortführen zu können.

Wie viele andere Studenten aus dem Osten, wurde auch er durch die Mauer von seinem Studienplatz im Westen abgeschnitten. Doch er war fest entschlossen, sein Studium im Westen fortzuführen und notfalls auch zu fliehen.

Experte Christian Simon erläutert:

„Am Abend des 4. Oktober 1961 klettert er auf ein Hausdach in der nahe gelegenen Swinemünder Straße. Von hier aus wollte er über die Dächer Richtung Bernauer Straße gehen und sich dort angekommen an einer Wäscheleine abseilen. Der Bürgersteig vor dem Haus gehörte bereits zu West-Berlin. Doch er wird entdeckt, zwei Grenzposten werden auf ihn aufmerksam und verfolgen ihn. Lünser fängt an zu rennen und schreit um Hilfe.

Auf West-Berliner Seite wird schnell reagiert: Passanten verständigen die Sektorstreife und bereits kurze Zeit später bezieht die Feuerwehr Stellung mit einem Sprungtuch vor der Hausnummer 44. Zwischen Lünser und den Grenzern kommt es derweil zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Lünser und ein Grenzer zur Dachkante rutschen. Als Lünser sich von dem Grenzer lösen kann, springt er vom Dach, verfehlt aber das aufgespannte Sprungtuch um etwa vier Meter. Der Aufprall auf das Pflaster war tödlich.“

Das Grab des Freiheitskämpfers befindet sich heute auf dem Steglitzer Friedhof. Eine Gedenktafel auf dem Bürgersteig erinnert an Bernd Lünser und seinen Tod.

Weiterführende Infos zur Bernauer Straße finden Sie hier:

http://www.chronik-der-mauer.de/grenze/bernauer-str.

Alle Bilder zur Serie hier:

All diese beeindruckenden und stimmungsvollen Bilder haben Kunden bei uns digitalisieren lassen. Es sind Unikate, die es so kein zweites Mal gibt. Wir bedanken uns bei all unseren Kunden für die Einreichung ihrer einzigartigen Bilder und ihren persönlichen Geschichten dazu und sind stolz, diese auf unserer Webseite festhalten zu können. Denn genau das ist unser Auftrag – Erinnerungen retten.

Wenn auch Sie noch einzigartige Bilder von besonderen Momenten haben, kontaktieren Sie uns gerne unter mediafix@presse.de und erzählen Sie uns Ihre ganz persönliche Geschichte dazu.

Über den Autor und Historiker Christian Simon

Steckbrief
Christian Simon, geboren 1960 in West-Berlin. Studium der Geographie, Politologie und Grundschulpädagogik an der Freien Universität Berlin. Promotion im Jahr 2000 mit einem Berlin-Thema im Fach Geographie an der Technischen Universität Berlin. Tätigkeit als Berlin-Historiker: Buchautor, Verleger und Stadtführer.

2011 erschien von Christian Simon zum 50. Jahrestag des Mauerbaus im eigenen Verlag das Buch „Berlin Grotesk. Die Mauer im absurden Alltag einer Millionenstadt“. Es handelt von den bizarren und irrwitzigen Situationen, mit denen die Berliner Bürger in beiden Teilen der Stadt zurechtkommen mussten. 

 

*Foto im Slider: Zur Verfügung gestellt von Fotograf Wolfgang Vieten